„Der brave Soldat Švejk“ trägt im Schubert-Theater Schlappohren
Im Wiener Schubert-Theater ist die Bühne mit selbst gebastelten analogen Memes tapeziert. Kritisch-sarkastische Bilder überziehen die Packpapier-Wände (Bühne Claudia Vallant): Elon Musk wird dort unter seinem Foto als „Muskolini“ tituliert, Recep Tayyip Erdogan als ein „Otto-Crat“ und Kim Jong-un als „Koran Psycho“. Rundherum umgeben von Verweisen auf blutige Herrschaft und Krieg. Hierin platziert Regisseurin Martina Gredler ihre Episoden aus Jaroslav Hašeks Schelmenroman „Die Abenteuer des braven Soldaten Švejk“ und macht klar, wie sehr Machthaber sich auf das Fußvolk als Kanonenfutter stützen. Wer das Schubert-Theater kennt, weiß, dass das mittels Figurenspiel vor sich geht. In Zusammenarbeit mit Puppenbildnerin Annemarie Arzberger nützt Gredler die Chance, das Gewaltsame und Zerstörerische, auf dem Hašeks unvollendet gebliebene Romanhandlung fußt, sichtbar zu machen. Sie zeigt den extra-naiven und umso subversiveren Helden Švejk, der vor dem Krieg in Prag vom Handel mit Hunden gelebt hat, selbst als geschlagenes Schlappohr. In einer völlig zerfetzten Uniform hängt er da und hebt wie ein Zombie sein ebenso zerstörtes Gesicht der Bierflasche entgegen.
Der Standard (Margarete Affenzeller)