Der Idiot
Fjodor Michailowitsch Dostojewski
Bronski & Grünberg
2026
Mit Simon Bauer | Christian Erdt | Adriane Grządziel | Marie Nadja Haller | Johnny Mhanna | Sebastian Pass
Bühne Anna Reichmayr
Kostüm Lejla Ganic
Musik & Licht Katharina Stöger
Fotos Philine Hofmann
Pressestimmen:
Wer ist denn nun der Idiot?
Martina Gredler hat Fjodor Dostojewskis Roman „Der Idiot“ zu einer Partynacht komprimiert und den Fokus auf Nastassja gelegt. Der Humor des emanzipatorischen Abends speist sich vor allem aus körperlichem Spiel, intensiven Blicken und Diktatoren-Witzen. Am lustigsten ist Simon Bauer als Fürst Myschkin, mit unsicherer Körperhaltung, überraschend keckem Hüftschwung und Prinz-Eisenherz-Frisur. Zum Schluss singen die beiden Frauen der Partygesellschaft Michelle Gurevichs Song „Goodbye My Dictator“ und hauen zusammen ab. Zurück bleiben die Männer: allesamt Idioten.
Falter (Sara Schausberger)
Der Idiot
Mehr als 700 Seiten hat das Buch, Regisseurin Martina Gredler verdichtet das Werk nun auf knapp 70 Minuten Bühnengeschehen. Dem Wiener Bronski & Grünberg Theater gelingt mit „Der Idiot“ – Zusatz: frei nach Dostojewski – eine erstaunliche Neuinterpretation. […] Willkommen auf der Party! Nastassja Filippowna Baraschkowa feiert ihren 25. Geburtstag, die ersten Flaschen sind schon ausgetrunken, viele weitere werden folgen. Die Festgesellschaft hat sich in der engen Küche versammelt, da wo die besten Partys beginnen und enden. Hier inszeniert Regisseurin Martina Gredler ihre minimalistisch exzessive Version von Dostojewskis „Idiot“. […] In der doppelten Verdichtung, durch das enge Setting und die textliche Einschränkung, werden Geiz, Gier, Eifersucht und alle Konflikte in ihrer Brutalität überdeutlich. Martina Gredler holt die Handlung aus dem späten 19. Jhdt. in eine postsowjetische Gegenwart, in der alle humanistischen Werte im Turbokapitalismus versumpft sind. Trotz des eng bemessenen Spielraums ist die Inszenierung enorm dynamisch. Zu Martina Gredlers Collage aus modernen Passagen und dem Originaltext kommen Songs und Tanzeinlagen und – als komischer Höhepunkt – eine in Slow-Motion gespielte Schlägerei der drei Testosteron-Helden Rogoshin, Tozkij und Ganja. Denen entkommen Nastassja und Aglaja übrigens, anders als bei Dostojewski.
Ö1 Kulturjournal (Magdalena Miedl)